Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Aktion Grundwasserschutz

Grundwasser in Bayern

Bayern ist ein Wasserland. Flüsse und Seen bestimmen das Landschaftsbild und der Untergrund beherbergt vielerorts ergiebige Grundwasservorräte. Betrachtet man diese genauer, wird aber schnell klar, dass Menge und Eigenschaften des Grundwassers bayernweit schon von Natur aus sehr verschieden sind. So variieren beispielsweise die Mengen an Niederschlag zwischen Alpenraum und weiten Teilen Frankens erheblich. Hinzu kommen die verschiedenen Untergrundeigenschaften und die unterschiedlichen Einflüsse der Landnutzung auf die Qualität des Grundwassers.

Grundwasser braucht Niederschläge

Wieviel Wasser kann aus dem Untergrund für uns Menschen zur Trinkwassernutzung "abgezweigt" werden? Das hängt von der vorhandenen Menge ab. Aufgefüllt werden die Grundwasservorräte in erster Linie durch Niederschläge – insbesondere durch langanhaltende Niederschläge während der vegetationsfreien Zeit (Winter) oder der Schneeschmelze im Frühjahr.

Auf einem bayerischen Quadratmeter landet jährlich fast 1 m3 Niederschlag. Das ist Landesdurchschnitt. Regional sind die Werte freilich individueller: In Nordbayern regnet es deutlich weniger als im Süden, wo die Staulage der Alpen für mehr Niederschläge sorgt (jährlich bis 2.000 Liter/m2 beziehungsweise 2.000 mm, gegenüber 650 mm in Unterfranken). Die Niederschlagsverteilung ist in Bayern also sehr unterschiedlich.

Karten zum Niederschlag und zur Grundwasserneubildung in Bayern Mittlerer jährlicher Niederschlag in Bayern, Bezugszeitraum 1981-2010 (links), sowie Mittlere jährliche Grundwasserneubildung in Bayern, Bezugszeitraum 1981-2010 (rechts)

Doch nur ein Teil des Niederschlags gelangt in den Untergrund und wird zu Grundwasser. Mehr als die Hälfte verdunstet wieder, teils direkt vom Boden oder von benetzten Blattoberflächen, vor allem aber durch die Pflanzen nach Aufnahme des Wassers durch das Wurzelwerk. Von der verbleibenden Menge fließt knapp die Hälfte oberirdisch ab in Flüsse und Seen, der Rest, nur gut ein Fünftel des Niederschlags, versickert in den Untergrund. Diese Menge entspricht der Grundwasserneubildung. Diese ist in Südbayern (Alpen und Alpenvorland), auf der Frankenalb und im Bayerischen Wald am höchsten. In den trockensten Gebieten Bayerns, in Unter- und Mittelfranken, werden pro Quadratmeter und Jahr teilweise weniger als 25 Liter Grundwasser neu gebildet. Dort ist der sorgsame Umgang mit dem "Schatz im Untergrund" also noch wichtiger.

Untergrund als Filter und Speicher

Wie mögen Sie Ihr Wasser? Weich oder doch lieber etwas härter? Auf dem Weg durch den Untergrund wird das Wasser nicht nur gesäubert, sondern auch in seinen Eigenschaften verändert und veredelt – beispielsweise durch die Aufnahme von Mineralstoffen, sie bilden die "Härte".

Das Wasser wird gefiltert…

Versickerndes Wasser füllt unsere Grundwasservorräte immer wieder auf. Auf dem Weg nach unten wird es gefiltert. Stoffe bleiben an Bodenteilchen hängen und kleinste Lebewesen bauen organische Verunreinigungen ab. Je feinkörniger und dichter die Bodenschichten sind, desto besser funktioniert der Filter. Sind die schützenden Bodenschichten aber nur dünn, können Verschmutzungen leicht ins Grundwasser gelangen.

Der Untergrund filtert nicht nur das Wasser, sondern er gibt ihm auch etwas mit auf seinem Weg. In der oberen Bodenschicht nimmt das Wasser Kohlendioxid auf und wird dadurch säurehaltig. Damit kann es dann weiter unten im Boden Mineralien wie Calcium und Magnesium lösen und verändert so, abhängig von den regionalen Gegebenheiten, seinen Charakter. Grundwasser ist eben ein echtes Regionalprodukt!

…und gespeichert

Trifft das versickernde Wasser auf ein Hindernis, beispielsweise eine stauende Tonschicht, sammelt es sich und füllt die vorhandenen Hohlräume aus. Nun spricht man von Grundwasser. Der Weg des Wassers ist hier aber nicht zu Ende. Es bewegt sich weiter. Wie?

Die Illustration zeigt Querschnitte durch Poren-, Kluft- und Karstgrundwasserleiter In Poren, Klüften und den Hohlräumen des Gesteins sammelt sich das Grundwasser, durch die darüber liegenden Bodenschichten ist es vor äußeren Einflüssen geschützt

Das Wasser fließt im Grundwasserleiter bis zu einer Öffnung zur Oberfläche, zum Beispiel einer Quelle, und speist Bäche und Flüsse. Oder es wird mit einem Brunnen direkt aus dem Grundwasser wieder nach oben gepumpt und gelangt von dort als Trinkwasser in unsere Haushalte. Das Grundwasser kann aber auch ganz langsam durch die stauende Schicht hindurch weiter nach unten wandern, in den nächsten, tieferen, Grundwasserleiter. In den tieferen Grundwasserstockwerken hat das Wasser dann ein deutlich höheres Alter.
Durch Altersbestimmungen wissen wir, dass manche Grundwässer sogar schon während der letzten Eiszeit gebildet wurden.

Unterschied zwischen Süd und Nord

Die größten Grundwasservorkommen Bayerns liegen südlich der Donau in den Schotterflächen und Flusstalfüllungen. Bekanntestes Beispiel ist die Münchner Schotterebene. Auch die verkarsteten Kalkgesteine der Alpen bergen große Grundwasserspeicher. Die hohen regionalen Niederschläge in Südbayern sorgen dabei für konstanten Nachschub.

Felsiger Berggipfel Gneis und Granit führen nur wenig Grundwasser

Im Norden und Osten Bayerns finden sich weniger ergiebige Grundwasservorkommen, da in den Festgesteinen der Mittelgebirge (Granit und Gneis) weniger Niederschläge versickern können. Hauptsächlich werden deshalb in Nordbayern die Porengrundwasserleiter der Flusstäler für die Gewinnung von Trinkwasser aus Grundwasser genutzt. Auch der Muschelkalk in Unterfranken, der Benker Sandstein südwestlich von Nürnberg und südöstlich von Bayreuth sowie die Sandsteine der Vilsecker Mulde und der Bodenwöhrer Senke in der Oberpfalz werden zur Trinkwassergewinnung erschlossen.

Einfluss der Landnutzung

Naturnaher Wald, bewirtschafteter Acker oder versiegelte Siedlungsflächen – jede Art der Flächennutzung geht dem Boden nahe, und hinterlässt damit auch Spuren im Grundwasser.

Wald

Blick vom Waldboden in das lichtdurchflutete Blätterdach. Wald schützt unser Grundwasser

Wald ist die grundwasserschonendste Landnutzung, sozusagen ein natürliches Wasserschutzgebiet. Wo Bäume stehen, können keine anderen Nutzungen das Grundwasser gefährden. Zusätzlich filtern die Bäume Schadstoffe aus der Luft, nehmen Stickstoff auf, puffern Säure und der humusreiche Waldboden reinigt das versickernde Wasser. Ein gutes Drittel Bayerns ist bewaldet – und das darunterliegende Grundwasser gut geschützt.

Landwirtschaft

Gerstenfeld mit blauem Himmel Gerstenfeld vor der Ernte

Etwa die Hälfte der Fläche Bayerns wird landwirtschaftlich genutzt. Die Landwirte brauchen Ackerflächen und Grünland um uns mit regionalen Nahrungsmitteln zu versorgen. Wichtig ist, dass dabei die Flächen grundwasserverträglich bewirtschaftet werden. Überschüssiger stickstoffhaltiger Dünger kann sonst im Boden in Nitrat umgewandelt werden und ins Grundwasser gelangen. Auch versickernde Pflanzenschutzmittel können das Grundwasser belasten. Da im Ökolandbau mineralische Düngemittel und synthetische Pflanzenschutzmittel nicht eingesetzt werden, bietet dieser den besten Grundwasserschutz.

Siedlung und Verkehr

Pflanze zwischen gepflasterter Fläche und Asphaltweg. Pflanzen und Wasser haben es schwer in Siedlungen

Siedlungs-, Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsflächen machen gut 10 Prozent der Landesfläche Bayerns aus. Etwa die Hälfte davon ist versiegelt, also unter Beton oder Asphalt verschwunden. Wird das Regenwasser von diesen Flächen nicht gezielt versickert sondern über die Kanalisation abgeführt, fehlt dieses für die Grundwasserneubildung. Dazu kommen die Gefahren, die durch den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen entstehen, beispielsweise bei Unfällen oder undichten Leitungen. Aus diesen Gründen werden für die Trinkwasserversorgung meist Grundwasservorräte außerhalb von Siedlungsbereichen genutzt.