Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Aktion Grundwasserschutz

Grundwasserschonende Landwirtschaft – gemeinsam für eine lebenswerte Heimat

Ein wichtiger Bestandteil der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ sind gemeinsame Projekte mit Landwirten. Dabei geht es um die Erprobung von Praktiken, die nicht nur das Grundwasser schonen, sondern auch weitere, positive Effekte mit sich bringen. Hierzu zählen u.a. die Erhaltung von Lebensräumen von Pflanzen und Tieren und die Gestaltung einer lebenswerten Heimat. Hier stellen wir einige derartige Projekte der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ vor und geben weitere Informationen. Sie sind herzlich zur Mitwirkung eingeladen. Gerne nehmen wir auch Ihre Anregungen oder Wünsche entgegen.

Modellprojekt Werntal

Landschaft mit Hecken, Bäumen und landwirtschaftlich genutzten FlächenBild vergrössern Im Grundwasser des Werntals befindet sich zu viel Nitrat; Foto: Matthias Hammer

Im Grundwasser des Werntals, einem Trinkwassereinzugsgebiet im Landkreis Main-Spessart in Unterfranken, sollen die Nitratwerte gesenkt werden. Gemeinsam mit den Landwirten, den Wasserversorgern von Karlstadt, Arnstein und Thüngen sowie dem Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Würzburg wurde ein umfassendes Sanierungskonzept ausgearbeitet und umgesetzt. Das Projektgebiet ist 8.600 Hektar groß. Zu Beginn ermittelte man für alle landwirtschaftlich genutzten Flächen die jeweilige Nitratauswaschungsgefährdung. Dadurch konnte ein entsprechendes Bewirtschaftungskonzept erstellt werden, das Maßnahmen wie Düngeberatung, Braugetreideanbau und Stilllegungen enthält. Die beteiligten Landwirte und Wasserversorger schlossen daraufhin Kooperationen für eine grundwasserschonende Bewirtschaftung. Die im Modellprojekt erprobten Ansätze und Vorgehensweisen können nun in angepasster Form auf weitere Trinkwassereinzugsgebiete übertragen werden.

Initiative "Grundwasserschutz durch Ökologischen Landbau"

Der ökologische Landbau entspricht den Anforderungen einer grundwasserverträglichen und nachhaltigen Landwirtschaft am besten. Denn:

  • synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdünger sind verboten,
  • der Anbau von Zwischenfrüchten als Gründüngung und Bodenbedeckung hat einen hohen Stellenwert, wodurch Nitratausträge im Winterhalbjahr minimiert werden,
  • ein guter Boden wird als wesentliche Grundlage für eine gute Pflanzenernährung und -gesundheit gesehen und bietet einen höheren natürlichen Grundwasserschutz,
  • der Einsatz von tierischen Arzneimitteln ist stark reglementiert, wodurch z.B. weniger Antibiotika in Gewässer eingetragen werden,
  • die Flächenbewirtschaftung wird umfassend dokumentiert.

Das alles sind Maßnahmen, die dazu beitragen, dass Grundwasser nicht oder nur wenig belastet wird. Deshalb werben wir für die Umstellung möglichst vieler landwirtschaftlicher Betriebe auf den ökologischen Landbau. Die Regierung von Unterfranken hat dafür ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt. Informationen dazu nachfolgend.

Erprobung alternativer Energiepflanzen

Gelbblühende BecherpflanzenBild vergrössern Die Durchwachsene Silphie wird wegen der am Stängel verwachsenen Blattpaare auch Becherpflanze genannt

Der verstärkte Anbau von Mais zur Biogaserzeugung wird aus Sicht des Grundwasserschutzes zunehmend kritisch betrachtet. Das liegt zum einen am Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln beim Anbau der sehr wüchsigen Pflanze selbst, zum anderen aber auch am Ausbringen des Gärsubstrats nach der Energiegewinnung. Daher gilt es Alternativen zu suchen, die bei vergleichbarer Wirtschaftlichkeit grundwasserschonender angebaut werden können. Darüber hinaus sorgt mehr Vielfalt auf den Ackerflächen auch für mehr Vielfalt bei den Tierarten, die das Offenland bewohnen, sowie für gesündere Bodenstrukturen.

Aus diesem Zusammenhang heraus werden der Anbau und die Verwertung des relativ anspruchslosen Riesenweizengrases im Rahmen der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ in Mittelfranken erforscht.

Eine weitere alternative Energiepflanze, die Durchwachsene Silphie, ist seit 2016 Gegenstand eines oberfränkischen Teilprojektes der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ.

Sowohl das Riesenweizengras als auch die Becherpflanze bleiben mehrjährig auf dem Acker. Im Vergleich zu Mais benötigen diese deutlich weniger Pflanzenschutz und Düngung, wodurch die Vorteile für den Grundwasserschutz auf der Hand liegen. Für den Landwirt bedeutet der Anbau der mehrjährigen Pflanzen einen deutlich geringeren Aufwand bei etwas niedrigerem Ertrag.

Bei beiden Projekten werden Landwirte durch Bereitstellung des Saatgutes und intensive Beratung unterstützt. Die gewonnenen Erfahrungen sollen Anreiz für weitere Landwirte zur Umstellung auf alternative Energiepflanzen sein.

Informationsangebote für Landwirte

Blühende Senfpflanzen mit TagpfauenaugeBild vergrössern Blühende Zwischenfrüchte werden gern von Insekten angenommen; Foto: Max Stadler

Die in Unterfranken regelmäßig stattfindenden Praxistage zum Ökolandbau und die Feldtage bieten eine persönliche Beratung der Landwirte vor Ort zu möglichen Optimierungen bei der grundwasserschonenden Bewirtschaftung. Gleichzeitig dienen sie dem Erfahrungsaustausch zwischen den Landwirten in der Region.

Eine weitere gern genutzte Plattform für den Erfahrungsaustausch und die Wissensvermittlung sind die jährlich stattfindenden Wasserforen. Diese gibt es bereits in den drei fränkischen Regierungsbezirken sowie in der Oberpfalz und in Niederbayern.

Publikationen mit verschiedenen Schwerpunkten informieren über Möglichkeiten, das Grundwasser zu schützen, ohne dabei finanzielle Einbußen in Kauf nehmen zu müssen.